Recht und Gericht in Österreich 
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ennsi : ( 2011-10-05 14:53:20 / 1993853 ) Zu hohe Notarkosten einer Verlassenschaft??

Ich hätte bitte eine Frage bezüglich Kosten einer Verlassenschaft.

Mein Gatte ist vor kurzen verstorben und die Summe des Erbes beträgt alles in allem € 10,372.

Vom Bezirksgericht habe ich eine Vorschreibung über die Gebühren des Einantwortungsbeschlusses von € 68,00 erhalten die ich ja in Ordnung finde.

Zeitgleich habe ich noch ein zweites Schreiben des Bezirksgerichtes mit der Gebühr des Gerichtskommissärs/Notars über € 984,00 erhalten welches ich nicht wirklich nachvolziehen kann.

Ich war zweimal beim Notar welches jedesmal maximal 10minuten gedauert hat und ausser einem Sparbuch,
einem Pensionskonto und dem Wiener Verein gab es keinerlei Vermögenswerte und auch keine andere Erben.

Kann mir bitte wer sagen ob diese Notarkosten bei dieser Erbsumme gerechtfertigt sind??
Knapp 10% von den Ersparnissen meines Gatten als Notarkosten für eine eventuelle Nachfrage bei der Bank bezüglich Kontoauskunft und Sendung an das Bezirksgericht finde ich schon ein wenig extrem.

Bitte um eheste Antwort Ihreseits.
DANKE
ennsi

Antworten:

zum Profil... gani1985 : ( 2011-10-05 15:06:32 / 1993854 )

Die Gebühren die der Notar ansprechen darf, sind gesetzlich im GKTG geregelt. Als Bemessungsgrundlage dienen nur die reinen Aktiva der Verlassenschaft. Von der Arbeitszeit hängen die Gebühren nicht ab. Der Notar kann aber, sollte er einen ungewöhnlichen Aufwand gehabt haben, mehr Gebühren verlangen, was in Ihrem Fall aber nicht passiert ist.

Wenn Sie schreiben, dass das Erbe alles in allem € 10.372,-- beträgt, werden in diesem Betrag schon die Passiva, wie die Begräbniskosten etc., schon abgezogen sein.

Wenn ich jetzt weiters davon ausgehe, dass sich der Notar die Gebühren wie vom Gesetz auch vorgesehen nach § 13 GKTG berechnet hat, ergibt sich allein bei einer Bemessungsgrundlage von € 10.372,-- eine Gebühr von EUR 960,36. Dazu kommen dann meistens noch Barauslagen. Würden diese in Ihrem Fall € 20,- betragen, kommen wir mit der USt schon auf den zugesprochenen Betrag von € 984,--.

Soll heißen, der Notar hat im besten Fall zu wenig Gebühren verlangt, aber nach Ihrer Beschreibung keines Falls zuviel.

zum Profil... ennsi : ( 2011-10-11 14:23:03 / 1994463 ) @ gani1985

Stimmt genau so wie du es geschrieben hast ist es!

Na dann wirds schon stimmen :-(

Gelinde gesagt ist das dann aber ein Wahnsinn was die sich für diese wenige Arbeit abziehen können.

Mein Vater hat jahrelang gespart und ein Fremder nimmt sich einfach 10% von der ganzen Summe für eine Arbeit die nicht mal alles in allem 1Stunde dauert und ein anderer 1 Monat dafür hackeln muss.

Trotzdem großes DANKESCHÖN für deine Erklärung!!

tja : ( 2011-10-11 15:40:00 / 1994477 ) @ennsi

Sie sehen das nicht ganz richtig. Wenn Sie diese Abwicklung selber machen hätten können, dann hätten Sie ihn ja nicht bemühen müssen.
Er "nimmt sich nicht", sondern hat eben diesen Beruf erlernt. Ob die Abwicklung mehr oder sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ist ja nicht das Thema oder vorherzusehen.
Warum haben Sie sich nicht einen "Hackler", der für diesen Betrag ein Monat arbeiten muss für die Erledigung genommen ?
Genau, weil der das eben nicht gelernt hat.

zum Profil... Doris : ( 2011-10-11 18:53:38 / 1994503 ) @ tja

Selbst wenn "ennsi" die Abwicklung durchfuehren haette KOENNEN, so haette sie es nicht gedurft, denn der Notar wird vom Gericht als Vertretung (Gerichtskommissaer) eingesetzt.
Mit kommt dennoch der Betrag etwas hoch vor. Ich musste - wenn ich mich richtig erinnere, dem Notar ca. 4.500,-- bezahlen, wobei ihm ein 50%iger Zuschlag fuer den besonders grossen Aufwand zugestanden wurde (sonst waere es billiger gekommen). Der Nachlass hat aus Sparbuechern mehreren Liegenschaften und noch ein paar Kleinigkeiten bestanden.

zum Profil... gani1985 : ( 2011-10-12 08:05:13 / 1994541 )

@tja und Doris: Doris liegt grundsätzlich richtig, wobei auch in der Aussage von tja ein wahrer Kern liegt (wenn auch verborgener). Der Notar hat auf jeden Fall von Gesetzes wegen die Todfallsaufnahme zu machen. Alles andere, zB die Errichtung des Inventars/Vermögenserklärung, kann theoretisch auch ein frei wählbarer Vertreter der Erben machen.
Je nach Umfang der Tätigkeit des Gerichtskommissärs steht diesem auch ein vom Gesetz vorgegebener Betrag zu.

Wenn er alles oder den größten Teil der Abhandlung durchführt, kommt § 13 GKTG zu tragen.
Führt er nur die Todfallsaufnahme allein durch, steht im nur ein Betrag nach § 14 GKTG zu.

Ausgehend von einer Bemessungsgrundlage von € 10.372,-- ergeben sich folgende Beträge (inkl. 20% USt):
§ 13 GKTG: € 960,36
§ 14 GKTG: € 30,6

Das ist auf den ersten Blick ein gewaltiger Unterschied, aber man sollte bedenken, dass auch eine allfällige Vertretung der Erben nur in den seltensten Fällen kostenlos ist.

Egartrin : ( 2013-01-10 10:51:17 / 2024990 ) Kann ich nicht nachvollziehen

Mein Gatte ist auch vor kurzem verstorben. Heute nun hat mir der Notar gezeigt, daß nach allen Abzügen usw. ein rein theoretisches Erbe in Höhe von 1500 Euro da wäre. Ich fragte ihn, was auf mich zukommen wird an Notarkosten, da rechnete er aus: ca. 1500 Euro!
Jetzt habe ich diesen Beitrag gelesen, habe mir den Paragraphen gegoogelt und kann nun nicht nachvollziehen, wie das zustande kommen soll.
Hat jemand eine Antwort bitte?

blub : ( 2013-01-11 07:37:45 / 2025010 )

Am besten einmal den Notar fragen, wie er auf den Betrag kommt - alles andere ist mehr oder weniger fundierte Spekulation.

Da : ( 2013-01-12 04:27:17 / 2025071 ) scheint

es ja besser wenn man das Erbe von vornherein nicht
anerkennt, oder braucht man auch dafuer einen Notar?

Ludwig : ( 2015-09-01 07:40:33 / 2046490 ) Verlassenschaftsverfahren Notar

Der Notar bemisst sein Honorar nach $13 sowie $14 GKTG. Dieses richtet sich ausschließlich nach den Aktiva der Verlassenschaft. Wenn die Aktiva EUR 130.000.- und die Passiva EUR 120.000.- betragen so ergibt sich für den Notar ein Honorar (ohne Spesen) von EUR 2.330,70 (Bemessungsgrundlage: 130.000.-) Zur Berechnung gibt es übrigens eine App: "LexTools".
Die Durchführung des schriftlichen Abhandlungsverfahrens ($13 GKTG) kann man auch vom Rechtsanwalt seines Vertrauens durchführen lassen und somit einiges an Kosten sparen.

Ame : ( 2017-06-06 21:58:15 / 2051242 ) Verlassenschaftsabhandlung

Frage: Aufgrund von ungerechtfertigter Anspruchsgeltendmachung der Lebensgefährtin hat sich das Verlassenschaftsverfahren in die Länge gezogen. Hat nicht deshalb auch die Lebensgefährtin für einen Teil des Honorars aufzukommen oder muss sich die Lebensgefährtin nie am Honorar des Notars beteiligen?

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