Recht und Gericht in Österreich 
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katja88 : ( 2017-10-19 22:02:34 / 2051812 ) muss der fotograf die fotos rausrücken?

hallo,
wir hatten bei unserer hochzeit einen fotografen engagiert und haben nun im nachhinein probleme mit der fotorausgabe.
er hat nur einen bruchteil der bilder raus gerückt mit der begründung die anderen wären nicht so schön geworden und das bearbeiten ist ihm deshalb zu aufwendig. die fotos die er raus gerückt hat, hat natürlich er alleine selektiert. er weiß aber natürlich gar nicht wer uns zb besonders wichtig ist oder nicht. ich hab ihm gesagt er soll die restlichen einfach unbearbeitet raus rücken, aber darauf will er sich nicht einlassen - schlecht fürs geschäft. (verstehe ich nicht, er muss ja eh ka logo drauf tun). jedenfalls is der fall für ihn erledigt. leider gab es keinen schriftlichen vertrag, nur mündliche absprache.
habe ich ein anrecht auf diese fotos oder nicht?

Antworten:

zum Profil... blub : ( 2017-10-20 06:26:43 / 2051814 )

Rechtliche eigentlich recht spannend.

Der Vertrag wird sich wohl auf die Begleitung der Hochzeit, die Fotos und die Bearbeitung beziehen. Aus dem (mündlichen) Vertrag wird er wahrscheinlich wirklich das Recht haben zu selektieren, weil ein Fotograf idR mehr Bilder schießt als er am Ende verwendet. Bruchteil erscheint mir problematisch, weil es kann natürlich nicht sein, dass er 500 Fotos macht und nur 50 schickt. Da würde ich dann sagen, du hast den (Werk)vertrag nicht erfüllt und mach gefälligst weiter mit dem Bearbeiten sonst zahle ich dich nicht (voll).

Ein gesetzliches Recht auf Ausfolgung der Bilder gibt es (mE) nicht. Durch das Recht am eigenen Bild könnten die jeweils abgebildeteten die Ausfolgung verlangen (oder dieses Recht auf das Brautpaar übertragen), das könnte er aber mit einer Löschung abwenden.

Das wäre ein Fall, den ich Medial aufhängen würde (wichtig: Nicht Kreditschädigend!).

Man muss eine Geschichte erzählen. Das Brautpaar. der wichtigste und schönste Tag im Leben, soviele Erinnerungen, das Brautpaar, das aber nicht genug Zeit hat, sich um alle Gäste zu kümmern. Der Fotograf, der seine Arbeit ja grundsätzlich gut gemacht hat, jetzt aber aus Angst um seinen Ruf dem Brautpaar soviele Momente vorenthält. All die Erinnerungen *schluchz, trän* - so in der Richtung würde ich das spielen in einem Kanal, in dem er präsent ist. Wichtig, die eigene persönliche Komponente betonen, keine Schlechtleistung des Fotografen - das macht am Ende nur Angreifbar.

zum Profil... Doris : ( 2017-10-20 08:23:10 / 2051815 )

Der Photograph hat die Urheberrechte. Auf die
elektronischen Bilder hat man m.E keinen Anspruch.
Der Photograph sollte die Bilder entweder als das, was man
früher Kontaktabzuege genannt hat, zur Auswahl zur
Verfügung stellen oder zB auf seinem PC vorführen, und die
Kunden dabei bestimmen lassen, von welchen Motiven sie
Papierbilder erwerben wollen.

zum Profil... blub : ( 2017-10-20 18:12:57 / 2051822 )

@Doris: "Der Photograph sollte die Bilder entweder als das, was man
früher Kontaktabzuege genannt hat, zur Auswahl zur
Verfügung stellen oder zB auf seinem PC vorführen, und die
Kunden dabei bestimmen lassen, von welchen Motiven sie
Papierbilder erwerben wollen."

Eh - nur wenn der das machen würde, dann stellte sich ja das Problem gar nicht, weil:

"er hat nur einen bruchteil der bilder raus gerückt mit der begründung die anderen wären nicht so schön geworden und das bearbeiten ist ihm deshalb zu aufwendig. die fotos die er raus gerückt hat, hat natürlich er alleine selektiert. er weiß aber natürlich gar nicht wer uns zb besonders wichtig ist oder nicht. ich hab ihm gesagt er soll die restlichen einfach unbearbeitet raus rücken, aber darauf will er sich nicht einlassen - schlecht fürs geschäft. (verstehe ich nicht, er muss ja eh ka logo drauf tun). jedenfalls is der fall FÜR IHN ERLDIGT. leider gab es keinen schriftlichen vertrag, nur mündliche absprache."

zum Profil... Doris : ( 2017-10-22 08:10:02 / 2051837 ) @Blub

Ich habe es so verstanden, dass Katja88 alle Bilder -
elektronisch und/oder auf Papier - bekommen will.
"Rausrücken" heißt für mich herausgeben ohne Bezahlung
(weil sie ja ohnehin "schlecht" und unbearbeitet sind).
Dieses Recht hat sie nicht.
Im Übrigen hätte der Photograph misslungene Photos auch
unverzüglich löschen können.

MagMeier : ( 2017-10-22 14:36:46 / 2051844 )

Die Frage ist, wie viele Fotos bei der im Zuge des
Werkvertrages zu erbringenden Erfolgsschuld dem Besteller
tatsächlich (materiell oder immateriell) übergeben hätten
werden müssen.

Hier ist mE vom Fotografen eine adäquate Anzahl an Fotos
(die in Relation zum Werklohn steht) anzufertigen und auch
auszuhändigen.

Da die Fragestellerin nicht erläutert hat, wie hoch der
Werklohn des Fotografen ausfällt und auf welche Anzahl
sich der erwähnte "Bruchteil" bezieht, wird es schwierig
eine ordentliche Analyse des Sachverhaltes vorzunehmen.

MagMeier : ( 2017-10-22 14:50:50 / 2051845 )

Das Schuldverhältnis aus dem hier vorliegenden
Mischvertrag (Werk-und Kaufvertrag) bezieht sich
einerseits auf das Anfertigen der Fotos als Erfolgsschuld
aus dem Werkvertrag und andererseits auf die Herausgabe
derselben als Erfüllungsschuld aus dem Kaufvertrag.
Andernfalls könnte der Fotograf nämlich auch alle Fotos,
die er vereinbarungsgemäß angefertigt hat, behalten und
den Werklohn hierfür fordern ohne die Fotos jemals zu
übergeben. Diese Ansicht widerspricht dem
Auslegungsgrundsatz nach § 914 ABGB. Der Fotograf ist aus
dem Mischvertrag auch zur Herausgabe der Fotos
verpflichtet. Kommt er dem nicht nach, wäre Schadenersatz
zu leisten, insbesondere, da das Event nicht wiederholt
werden kann.

MagMeier : ( 2017-10-22 14:57:01 / 2051846 )

Gemäß §§ 1151, 1166 ABGB handelt es sich hier um einen
Kaufvertrag und gemäß § 1061 ABGB ist der Fotograf zur
Herausgabe der Fotos (als Kaufsache) verpflichtet!

Gemäß § 918 ABGB können Sie auf Erfüllung und
Schadenersatz klagen.

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